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Schweizer Arbeitsmarkt wächst: Flexibilität gewinnt an Bedeutung

Veröffentlicht am 8.10.2026■Lesezeit 4 min

Schweizer Arbeitsmarkt in Bewegung: Warum Regionen und Branchen unterschiedlich wachsen und Flexibilität für KMU gewinnt.

Der Schweizer Arbeitsmarkt zeigt sich von seiner dynamischen Seite: Im zweiten Quartal 2026 kletterte die Beschäftigung laut Bundesamt für Statistik um 2,0 Prozent nach oben. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Das pauschale Wachstumsversprechen greift zu kurz. Während einige Branchen und Regionen boomen, stehen andere spürbar unter Druck. Eins wird in diesem Wandel glasklar: Starre Strukturen haben ausgedient, und Flexibilität entwickelt sich zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Schweizer Unternehmen.

Hinter diesen Zahlen zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild: Nicht alle Regionen und Branchen entwickeln sich gleich. Gleichzeitig verändern sich die Arbeitsmodelle. Teilzeit gewinnt insbesondere bei Männern an Bedeutung – und auch die Temporärarbeit verzeichnet ein deutliches Wachstum.

Wachstum mit regionalen Unterschieden

Besonders dynamisch entwickelte sich die Beschäftigung in der Zentralschweiz. Umgerechnet in Vollzeitäquivalente betrug das Wachstum gegenüber dem Vorjahr 3,2 Prozent. Auch die Genferseeregion mit Genf, Waadt und Wallis entwickelte sich mit einem Plus von 2,7 Prozent überdurchschnittlich.

Die Ostschweiz und der Kanton Zürich verzeichneten jeweils ein Wachstum von 1,8 Prozent. Im Espace Mittelland und in der Nordwestschweiz fiel die Entwicklung mit jeweils 1,4 Prozent moderater aus. Einzig im Tessin ging die Beschäftigung leicht zurück.

Auch langfristig zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. In den vergangenen zehn Jahren entwickelte sich die Genferseeregion besonders stark. Auch die Zentralschweiz und der Wirtschaftsraum Zürich konnten deutlich zulegen.

Nicht alle Branchen profitieren gleich

Neben den regionalen Unterschieden zeigt sich auch auf Branchenebene ein heterogenes Bild. Zu den Bereichen mit einer positiven Beschäftigungsentwicklung gehören unter anderem die Gastronomie und das Gesundheitswesen sowie verschiedene wirtschaftliche Dienstleistungen. Auf der anderen Seite ging die Zahl der Stellen beispielsweise in der IT, bei Versicherungen, in der Telekommunikation und in der Hotellerie zurück.

Für Unternehmen bedeutet dies: Der Personalbedarf entwickelt sich zunehmend unterschiedlich – je nach Branche, Region, Auftragslage und wirtschaftlichem Umfeld. Die Fähigkeit, personelle Ressourcen flexibel an die aktuelle Situation anzupassen, wird damit zu einem wichtigen Faktor.

 Temporärarbeit als Teil eines flexibleren Arbeitsmarkts

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei der Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften. In diesem Wirtschaftsbereich kamen innerhalb eines Jahres über 20'000 Vollzeitäquivalente hinzu. In dieser Statistik werden unter anderem Temporärmitarbeitende erfasst, die bei einem Personaldienstleister angestellt sind.

Die Entwicklung zeigt, welche Rolle flexible Beschäftigungsmodelle in einem dynamischen Arbeitsmarkt spielen können. Für Unternehmen bietet Temporärarbeit die Möglichkeit, auf Auftragsspitzen, saisonale Schwankungen, kurzfristige Personalengpässe oder veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu reagieren, ohne die langfristige Personalstruktur unmittelbar anpassen zu müssen.

Gleichzeitig eröffnet sie Arbeitnehmenden unterschiedliche Möglichkeiten: Temporäre Einsätze können einen schnellen Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglichen, Berufserfahrung in verschiedenen Unternehmen vermitteln oder eine flexible Gestaltung der eigenen Erwerbstätigkeit unterstützen.

Auch die Erwartungen an Arbeit verändern sich

Flexibilität zeigt sich nicht nur bei der Temporärarbeit. Auch klassische Arbeitszeitmodelle verändern sich. Während Teilzeitarbeit bei Frauen seit Langem verbreitet ist, nimmt sie bei Männern deutlich zu. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre hat sich die Zahl der teilzeitarbeitenden Männer mehr als verdoppelt. Allein im vergangenen Jahr stieg sie um 4,6 Prozent.

Vollzeit bleibt bei Männern zwar weiterhin klar das häufigste Arbeitsmodell. Die Entwicklung macht aber deutlich, dass individuelle Arbeitszeitmodelle auch für männliche Beschäftigte zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Für Arbeitgeber kann dies relevant sein: Wer unterschiedliche Pensen und Beschäftigungsmodelle ermöglicht, erweitert potenziell den Kreis der verfügbaren Arbeitskräfte.

Flexibilität wird zum wirtschaftlichen Faktor

Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen zeigen vor allem eines: Wachstum allein beschreibt die Situation nur unvollständig. Während einzelne Regionen und Branchen stark zulegen, stehen andere unter Druck. Gleichzeitig verändern sich die Bedürfnisse von Unternehmen und Arbeitnehmenden.

Flexible Arbeitsmodelle können dabei helfen, beide Seiten zusammenzubringen. Unternehmen können ihre personellen Ressourcen gezielter an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Arbeitnehmende erhalten zusätzliche Möglichkeiten, in den Arbeitsmarkt einzusteigen und ihre Erwerbstätigkeit flexibler zu gestalten.

Der Arbeitsmarkt der Zukunft wird deshalb nicht nur daran gemessen, wie viele Stellen entstehen. Entscheidend wird auch sein, wie schnell Unternehmen und Arbeitnehmende auf Veränderungen reagieren können. Flexibilität ist dabei längst mehr als ein Arbeitsmodell – sie wird zu einem entscheidenden Faktor für einen widerstandsfähigen Schweizer Arbeitsmarkt.

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